Wir sind fassungslos und voller Trauer. Der CSD in Berlin, ein Tag, der für so viele Menschen ein Tag der Freude, der Freiheit und der Offenheit ist, endete mit einer unfassbar schrecklichen Tat des Hasses.
Eine Person verlor ihr Leben.
29 weitere wurden verletzt. Einige von ihnen sogar lebensgefährlich.
Unsere Gedanken und Herzen sind bei den Opfern, ihren Angehörigen und allen, die diese Tat miterleben mussten.
Ein Tag, der für Sichtbarkeit, Selbstbestimmung und Vielfalt stehen sollte, wurde von Gewalt überschattet.
Diese Tat macht uns traurig. Sie macht uns wütend und sie macht uns Angst.
All diese Gefühle sind mehr als verständlich und sie sollen auch ihren Raum haben dürfen. Aber wir dürfen nicht zulassen, dass Trauer, Wut und Angst das Handeln unserer Gesellschaft prägen oder Menschen davon abhalten, sichtbar zu sein und für ihre Rechte einzustehen.
Hass schürt immer nur weiteren Hass und deshalb dürfen wir jetzt nicht mit Hass auf diesen Schock antworten. Dieses Attentat war ein Angriff gegen die Liebe und genau aus diesem Grund müssen wir jetzt umso mehr an genau dieser festhalten.
CSDs sind weit mehr als bunte Feste. Sie sind Orte der Begegnung, des Erinnerns und des gemeinsamen Eintretens für Menschenrechte und gesellschaftliche Teilhabe. Wenn Menschen dort nicht mehr sicher sind, betrifft das nicht nur die queere Community. Es betrifft unsere demokratische Gesellschaft als Ganzes.
Gerade deshalb reicht es nicht aus, nach einer solchen Tat allein über Sicherheit zu sprechen. Ebenso müssen wir darüber reden, wie wir als Gesellschaft den Zusammenhalt stärken und allen Formen menschen- und demokratiefeindlicher Ideologien entgegenwirken.
Mit Sorge beobachten wir deshalb die aktuellen politischen Entwicklungen. Gerade in einer Zeit, in der Hass, Hetze und demokratiefeindliche Einstellungen sichtbar zunehmen, geraten ausgerechnet jene Bereiche unter existenziellen Druck, die den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken: queere Jugendarbeit, Queersensibilisierung, Antidiskriminierungsarbeit, Integrations- und Teilhabeangebote sowie Gewalt- und Extremismusprävention.
Diese Arbeit ist kein gesellschaftlicher Luxus, sondern ein wesentlicher Bestandteil einer wehrhaften Demokratie. Sie schafft Begegnung, baut Vorurteile ab, stärkt Menschen in ihrer Vielfalt und wirkt Ausgrenzung entgegen.
Kürzungen in diesen Bereichen senden deshalb gerade jetzt das falsche Signal.
Eine demokratische Gesellschaft wird nicht allein dadurch geschützt, dass sie auf Gewalt reagiert. Sie wird vor allem dadurch gestärkt, dass sie in Prävention investiert, Teilhabe ermöglicht und Menschen darin bestärkt, einander mit Respekt zu begegnen.
Wo Unsicherheit, soziale Spaltung und fehlende Perspektiven wachsen, finden Hass und menschenfeindliche Ideologien leichter Anknüpfungspunkte. Umso wichtiger ist es, die Strukturen zu stärken, die unsere Demokratie jeden Tag tragen.
Zum Schluss bleibt uns nur zu sagen:
Wir sind hier. Wir halten zusammen. Und wir werden Hass und Angst nicht siegen lassen.
Gebt gut auf euch selbst und eure Mitmenschen acht. Sprecht über das, was passiert ist, und darüber, was diese Tat mit euch macht. Niemand muss Ängste, Trauer oder Wut allein tragen.
Wenn ihr merkt, dass euch die Ereignisse belasten oder ihr einfach jemanden zum Reden braucht, scheut euch nicht, Unterstützung in Anspruch zu nehmen. Hilfe zu suchen ist ein Zeichen von Stärke.
Die TelefonSeelsorge ist rund um die Uhr, anonym und kostenfrei erreichbar:
- 0800 1110111
- 0800 1110222
- 116 123
- Website der TelefonSeelsorge
Vielfalt ist keine Provokation.
Menschenrechte sind nicht verhandelbar.
Unsere Antwort auf Gewalt bleibt Solidarität, Zusammenhalt und das entschlossene Eintreten für eine demokratische Gesellschaft, in der alle Menschen frei, sicher und sichtbar leben können.

